Besondere Farbtöne

Das Geheimnis ungewöhnlicher Farbtöne

Die Malerei blickt auf eine lange Tradition verschiedenster Farbmittel und -töne zurück, die zum Teil noch heute, allerdings oftmals modifiziert und mit Hilfe besserer Pigmente nachgestellt, existieren. So mancher Farbton hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich und zählt unter Fachleuten bis heute zu den klassischen, unbedingt notwendigen Farbtönen in einem Künstlerfarbensortiment. Hierzu zählen Farbtöne wie Karmin, Coelinblau oder Umbra gebrannt. In der über 130-jährigen Firmengeschichte von H. Schmincke & Co. wurde und wird viel Farbforschung betrieben. Als Basis wurde zunächst auf Klassisches und Bewährtes zurückgegriffen und dieses entsprechend neuester farbwissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet oder durch beständigere und bessere Alternativen komplett den zeitgemäßen Anforderungen der Malerei angepasst. Darüber hinaus findet man bei Schmincke zahlreiche besondere, seltene Farbtöne, die von Kennern ganz besonders geschätzt werden. Insbesondere die Premium-Sortimente HORADAM® AQUARELL, MUSSINI® und Norma® Professional sowie PRIMAcryl® enthalten viele ungewöhnliche Farbtöne mit bisweilen wohlklingenden aber auch fremdartigen Namen, die vielleicht Fragen aufwerfen. Diese „Geheimnisse“ möchten wir für Sie lüften, damit Sie künftig auch bei Begriffen wie „Atrament“ oder „Veridian“ wissen, wovon die Rede ist.

 

I. Besondere historische Farbtöne

Nicht jeder Farbton hat eine ähnlich spannende bzw. gruselige Vergangenheit wie das bis vor einigen Jahrzehnten existierende „Mumienbraun“, welches seinen Farbton tatsächlich aus (importierten) Mumien (!) erhielt. Oder Farbtöne wie Schweinfurter Grün (enthielt Arsen!) oder echtes Zinnoberrot (enthielt Quecksilber!), die so giftig waren, dass mancher Maler ernsthaft zu Schaden kam. Diese Töne gibt es heute selbstverständlich nicht mehr; sie wurden durch unkritische, bessere und beständigere Nachstellungen ersetzt (z.B. Zinnoberrotton). Dafür gibt es aber spannende Farben wie Veroneser Grüne Erde, Sepiabraun, Caesarenpurpur oder Caput mortuum, die noch heute so wichtig (und nicht gesundheitsgefährdend) sind, dass wir Ihnen Herkunft und besondere Merkmale erläutern möchten:

Medievalgelb

Ursprung/ Herstellung: Das hellste Gelb des mittelalterlichen Malers. Wird heute mit anorganischen Pigmenten dem Original nachgestellt. Aussehen: Blasses, grünliches, deckendes Gelb. MUSSINI®(10207), PRIMAcryl® (13203)

Florentinerrot

Ursprung/ Herstellung: Alter Florentiner Lack, der aus Brasilholz gewonnen wurde. Heute aus Perylenen (höchst lichtechten, organischen Pigmenten) hergestellt. Aussehen: Lasierendes, kaltes, etwas braunstichiges Dunkelrot. MUSSINI® (10353)

Caesarenpurpur

Ursprung/ Herstellung: Wurde in der Antike aufwändig aus der Drüse der Purpurschnecke gewonnen und als besonders wertvolle Malerfarbe hoch geschätzt. Heute aus Chinacridonpigment hergestellt. Aussehen: Fein lasierender Purpur-Farbton, bläulicher als Magenta. MUSSINI® (10366)

Byzantinischblau

Ursprung/ Herstellung: Erscheint häufig in byzantinischen Fresken; früher meist aus Azurit und einem geringen Anteil Kohle gewonnen, heute Komposition aus modernen, lichtbeständigen Pigmenten wie Indanthronblau. Aussehen: Dunkles Schwarzblau. MUSSINI® (10495)

Ultramarinblau

Ursprung/ Herstellung: Im Mittelalter wurde Ultramarinblau aus dem Halbedelstein Lapislazuli (Lasurstein) gewonnen und war teurer als Gold. Erste Vorkommnisse in der Kunst gehen auf das 3. Jahrtausend vor Christi zurück. Seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts kann Ultramarin ohne qualitative Auswirkungen synthetisch hergestellt werden. Aussehen: Fein lasierendes, rotstichiges, sehr reines Blau.  MUSSINI® (10491 Ultramarinblau hell und 10492 Ultramarinblau dunkel), Norma® Professional 11442 Ultramarin hell und 443 Ultramarin dunkel), HORADAM® AQUARELL (14494 Ultramarin feinst, 496 Ultramarin), PRIMAcryl® (13433)

Königsblau

Ursprung/ Herstellung: Das klassische Königsblau wurde unter Ludwig XIV. von Frankreich eingeführt. Es erhielt die Farbgebung - ein helles, leicht grünstichiges Himmelblau - durch ein Kobaltpigment. Aussehen: Je nach Kobalt- bzw. Ultramarinanteil von hellem grünstichigem Himmelblau bis zu brillantem Mittelblau variierend. MUSSINI® (10485 Königsblau hell und 10486 Königsblau dunkel), PRIMAcryl® (13436)

Veroneser Grüne Erde

Ursprung/ Herstellung: Seit antiker Zeit bekannt. Die Farbe für das „Verdaccio“, die grüne Untermalung in den Hauptpartien in der Portraitmalerei. Einst aus besten Grünerden aus Baldo am Gardasee hergestellt und – daher der Name - über Verona gehandelt. Da diese Erden nicht mehr verfügbar sind, ist heute die Nachstellung mit hochwertigen Pigmenten gelungen. Aussehen: Lasierendes, stumpfes, leicht graustichiges Grün. MUSSINI® (10640)

Lichter Ocker attisch

Ursprung/ Herstellung: In der Antike höchst begehrter Ocker-Farbton. „Attisch“ bezeichnet dabei das Gebiet um Athen in der Antike. Heute mit modernen Eisenoxiden nachgestellt. Aussehen: Halbdeckendes bis halblasierendes, feuriges Goldgelb. MUSSINI® (10656)

Sepiabraun

Ursprung/ Herstellung: Ursprünglich – seit Ende des 18. Jh. - aus den Drüsen des Tintenfisches gewonnen; damals weder lichtnoch lagerbeständig; insbesondere für Tuschzeichnungen verwendet. Heute durch lichtechte Pigmentmischungen ersetzt. Anwendung hauptsächlich in der Aquarellmalerei, insbesondere für Untermalungen. Aussehen: Dunkles Braun. HORADAM® AQUARELL (14662 Sepiabraun coloriert und 663 Sepiabraun)

Caput mortuum

Ursprung/ Herstellung: Der Name „caput mortuum“ stammt aus der Alchimistensprache und bedeutet „Totenkopf“, da diese Farbe durch „todgeglühte“ Eisensalze gewonnen wird. Aussehen: Hoch deckendes, farbstarkes, violettstichiges, dunkles Rotbraun. MUSSINI® (10648), Norma® Professional (11683), HORADAM® AQUARELL (14645)

 

II. Ungewöhnliche Farbtonbezeichnungen

Es gibt Farbtonnamen, die manchem Maler Rätsel aufgeben. Einige sind historischen Ursprungs, viele andere auch aus Fremdsprachen und dabei insbesondere aus dem Lateinischen und Italienischen entlehnt (zum Beispiel „Sfumato“, „Veridian“ oder „Terra Pozzuoli“). Hier liefern wir Ihnen „Übersetzungshilfen“ zu diesen Farben:

Turmalingrün

Bedeutung: Farbton, der den Färbungen des Halbedelsteins Turmalin nachempfunden ist. Aussehen: Dunkles, sattes Blaugrün. MUSSINI® (10536), PRIMAcryl® (13561)

Veridian

Bedeutung: Veridian oder auch Viridian nimmt seinen Namen vom lateinischen Wort „viridis“= „grün“. Farblicher „Nachfolger“ des Original Schweinfurter Grün, welches im 19. Jh. eine wichtige – aber aufgrund des Arsengehalts hochgiftige – Malerfarbe war. Aussehen: Halbdeckendes, sanftes, gelbstichiges Grün. MUSSINI® (10529)

Terra Pozzuoli

Bedeutung: Ursprünglich aus berühmten Naturerden vom Fuße des Vesuv (ital. Erde aus Pozzuoli) hergestellt. Gut für Portrait- und Aktmalerei geeignet. Heute hochwertige Nachstellung, da die Erden nicht mehr beschaffbar sind. Aussehen: Rotbraun, etwas heller und gelblicher als Pompejanischrot, hoch deckend und farbstark. MUSSINI® (10663), HORADAM® AQUARELL (14666)

Atrament

Bedeutung: „Atrament“ war in römischer Zeit die Bezeichnung für ein sehr kaltes Schwarz („àtro“ (ital.) = finster, düster, „atramentarius“ (lat.) = tintig). Heute organisches Schwarzpigment. Aussehen: Grünstichiges, tiefes Schwarz, mit Weiß gemischt grünstichiger Grauton. MUSSINI® (10779), PRIMAcryl® (13791)

Sfumato

Bedeutng: „Sfumato“ bezeichnet einen feinen, grauen Nebel, der z.B. über Portraits gelegt wurde, um diese weicher erscheinen zu lassen („sfumato“ (ital.) = abgetönt, schattiert; „fumo“ (ital.) = Rauch). Insbesondere von italienischen Meistern verwendeter Farbton. Aussehen: Grünliches, halblasierendes Grau. MUSSINI® (10790)

Dove

Bedeutung: „dove“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Taube; entsprechend ist der Farbton „Taubengrau“. Aussehen: Ein angenehmes, warmes Dunkelgrau mit einem Stich ins Violette. MUSSINI® (10792)

Natürlich gibt es noch viele weitere Farbtöne des Schmincke-Sortiments, über die es sich aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften zu berichten lohnte.