Krakelieren mit Reißlack: Anleitung in 5 Schritten

Normalerweise möchte man in der Malerei keine Risse in seinen Bildern haben. Durch Alterungsprozesse entstehen diese manchmal trotzdem. Was aber, wenn eine solche antike Patina sogar erwünscht ist? In solchen Fällen kann man feine Risse auch bewusst herbeiführen - mit der sogenannten Reißlacktechnik, auch "Krakelieren" genannt. Wir haben für Sie eine kurze Reißlack-Anleitung zusammengestellt.

Wie funktioniert die Reißlacktechnik?

Um Gemälde oder andere Oberflächen künstlich mit Rissen zu überziehen, wird ein spezieller Reißlack oder auch "Krakelierlack" aufgetragen. Dieser zieht sich beim Trocknen zusammen und hinterlässt dadurch Risse und Sprünge, die sich als unregelmäßiges Muster über die gesamte Oberfläche ziehen.

Für welche Untergründe kann die Reißlacktechnik angewandt werden?

Die folgende Reißlack-Anleitung können Sie auf (vollständig durchgetrocknete) Öl- und Acrylgemälde ebenso anwenden wie auf speziell vorbereitete Untergründe aus Holz, Kunststoff, Papier oder Metall. Bei stark saugenden Untergründen ist eine Grundierung mit verdünntem Grundlack nötig, die über Nacht durchtrocknen sollte.

Reißlack-Anleitung in 5 Schritten

Schritt 1: Testen

Bevor Sie beginnen, probieren Sie den Reißlack idealerweise an einem Probestück aus, das dem Material des Originals entspricht. So finden Sie heraus, wie gut sich der Reißlack mit dem Untergrund verträgt und welchen Effekt das Zusammenwirken der verschiedenen Lacke auf die Oberfläche hat.

Achten Sie dabei auch darauf, dass Sie den Test unter denselben Bedingungen durchführen wie die tatsächliche Reißlack-Bearbeitung. Nur bei gleichbleibender Temperatur, gleicher Art und Dicke des Auftrags und vor allem identischen Trocknungszeiten sind auch vergleichbare Ergebnisse zu erwarten.

Schritt 2: Grundlack auftragen

Tragen Sie zunächst den Grundlack mit einem Pinsel gleichmäßig auf die gesamte Fläche des Untergrundes auf.

Am Trocknungsgrad des Grundlacks entscheidet sich die Art der Rissbildung: Je trockener der Grundlack beim Auftrag des eigentlichen Reißlacks, desto feiner wird das Muster der Risse.

Aber Achtung: Vollständig durchtrocknen darf der Grundlack nicht, nur die Oberfläche sollte angetrocknet sein. Beginnen Sie nach etwa 50 Minuten damit, den Trocknungsrad mit der Fingerkuppe zu testen - spätestens nach 60-70 Minuten sollte (bei dünnem Auftrag) ein ausreichender Trocknungsgrad erreicht sein.

Schritt 3: Reißlack auftragen

Nun folgt der eigentliche Reißlack, der ebenfalls mit einem Pinsel gleichmäßig über die gesamte Oberfläche aufgetragen wird. Die Rissbildung in der Grundlackschicht geschieht, während der Reißlack trocknet. Dafür sollten Sie ihm eine ganze Nacht Zeit geben.

Schritt 4 (optional): Risse gestalten

Wenn der Reißlack vollständig getrocknet ist, haben Sie die Möglichkeit, die entstandenen Risse nachzubearbeiten. Sie können zum Beispiel Ölfarben dünn und gleichmäßig mit einem Pinsel oder einem Tuch in die Risse einreiben.

Eine antike Optik können Sie erreichen, wenn Sie hierfür einen dunklen Farbton verwenden.

Schritt 5: Reißlackschicht abwischen

Als letzter Schritt wird die wasserlösliche Reißlackschicht mit einem feuchten Schwamm vollständig abgewischt. Achten Sie darauf, dass Sie in Schritt 4 eventuell aufgetragene Ölfarben mindestens 24 Stunden trocknen lassen, bevor Sie den Reißlack abwischen.

Wenn Sie mögen, können Sie das Ergebnis abschließend noch mit einer weiteren Lackschicht schützen - hierfür lässt sich der mit 20-30% Terpentinersatz verdünnte Grundlack einsetzen. Diese letzte Schutzschicht sollte frühestens nach weiteren 2 Tagen Trocknungszeit aufgetragen werden.