Urban Sketch: Berliner Park im Sommer - Danny Hawk

In diesem Blogbeitrag verrät der Künstler und Urban Sketcher Danny Hawk seine Tipps und Tricks für die Erstellung von Skizzenbuchzeichnungen mit Tinte und Aquarellfarben. Dabei zeigt er seine Herangehensweise an Stadtansichten, in denen sich Natur und Architektur vermischen.

Für diesen Beitrag hat Danny ein Referenzfoto aus dem Treptower Park verwendet, einer Grünanlage im östlichen Teil Berlins. Normalerweise erstellt er seine Kunstwerke jedoch vor Ort.

Fortgeschrittene können die Schritt-für-Schritt-Anleitung gerne vollständig befolgen, während Anfänger sich vielleicht wohler fühlen, wenn sie das Wasser und die Spiegelungen weglassen und nach Schritt 7 aufhören.

Benötigtes Material:

Schmincke Horadam Aquarell Farben:

Papier: 

Aquarellskizzenbuch – z. B. von Hahnemühle (für diese Anleitung hat Danny ein Aquarellbuch von Hahnemühle im Format A5 im Hochformat verwendet)

Pinsel: 

Ein Aquarellpinsel mit runder Spitze, z. B. der da Vinci NOVA Synthetics Aquarellpinsel (Serie 1570) in der Größe 8 

Bleistift und Stift: 

  • Bleistift für die Vorzeichnung.
  • Ein Fineliner oder Füllfederhalter mit wasserfester Tinte für die Linienführung – z. B. Platinum Carbon Desk Pen mit Platinum Carbon-Tintenpatronen oder Lamy Safari Füllfederhalter mit De Atramentis Document-Tinte (bei Verwendung des letzteren ist ein Konverter erforderlich)

Sonstiges: 

  • Radiergummi,
  • Wasserbehälter,
  • Büroklammern (bei Arbeit in einem Skizzenbuch)

Schritt 1: Bleistiftskizze und Komposition

Zu Beginn fertige ich immer gerne eine grobe Bleistiftskizze an, um die Komposition und den Aufbau festzulegen. Dabei konzentriere ich mich darauf, grobe Formen auf das Papier zu bringen und die äußeren Ränder meiner Skizze zu definieren, da ich der Meinung bin, dass Skizzen besonders gut zur Geltung kommen, wenn sie Raum zum Atmen haben und ich nicht bis zum Rand des Blattes male.

Bei dieser Skizze reduziere ich Bäume und Grünflächen auf grobe Umrisse (die Blätter und die Textur fügen wir später mit Farbe hinzu). Auch für das Wasser und die Spiegelungen lege ich die Bereiche vorab mit Bleistift fest.

Schritt 2: Tuschezeichnung und kleinere Details

Sobald meine Bleistiftvorzeichnung fertig ist, fange ich damit an, mit einem Füllfederhalter mit wasserfester Tinte Details hinzuzufügen (man kann auch wasserfeste Fineliner verwenden). An bestimmten Stellen – wie zum Beispiel auf dem Dach des Gebäudes – füge ich ein paar Striche und Schnörkel hinzu, um die Struktur anzudeuten. Ich zeichne auch gerne die Innenwände der Fenster, um meinen Gebäuden mehr Tiefe zu verleihen. Bei den Bäumen zeichne ich jedoch weiterhin nur die Umrisse mit Tinte.

Was Wasser und Spiegelungen angeht, ignoriere ich diesen Teil komplett, bis ich die Aquarellfarben hinzufüge, da ich hier nicht zu viel Struktur haben möchte. Wichtig: Gehen Sie mit der Tinte nicht über die unteren Ränder des Wasserbereichs hinaus (die Linien ganz unten auf der Seite), da dies sonst zu hart wirkt.

Sobald ich mit dem Tuschen fertig bin, radiere ich die Bleistiftlinien unter den Bäumen und dem Gebäude aus – die Bleistiftlinien für das Wasser und die Reflexion der Brücke in der unteren Hälfte der Seite lasse ich jedoch stehen.

Schritt 3: Erste Aquarellschicht und Gebäudefassade

Jetzt geht es ans Malen!

Wenn ich Skizzen habe, die sowohl Natur als auch Architektur enthalten, finde ich es am einfachsten, zuerst die architektonischen Elemente zu malen, meist weil Gebäudefassaden einen helleren Tonwert haben als andere Elemente (z. B. Bäume) und es einfacher ist, die Farben des Gebäudes zu mischen, ohne von den Grün- und Gelbtönen auf meinem Blatt abgelenkt zu werden.

Hier beginne ich mit dem Turm, indem ich Sepiabraun als Grundfarbe verwende und diese mit etwas Lichter Ocker und Ultramarinblau abtöne. Für die Brücke verwende ich ebenfalls Sepiabraun, füge aber mehr Lichter Ocker hinzu, damit die Brücke heller wirkt als das Gebäude dahinter.

Tipp: Achte darauf, dass nicht zu viel Wasser auf deinem Pinsel (oder auf deinem Papier) ist, damit die Schichten schnell trocknen. Die Konsistenz deiner Lasuren sollte eher milchig als wässrig sein.

Schritt 4: Zweite Aquarellschicht und Schatten am Gebäude

Sobald die erste Schicht des Gebäudes vollständig getrocknet ist, kann ich Schatten hinzufügen. Ich verwende weiterhin Sepiabraun als Grundfarbe (und etwas Lichter Ocker und/oder Ultramarinblau, um die Mischung wärmer oder kühler zu gestalten), allerdings mache ich die Konsistenz diesmal etwas dickflüssiger, damit ich die darunterliegende Schicht nicht auflöse.

Ich trage diese zweite Schicht – die den Schatten entspricht – auf das Gebäude und den Turm auf, aber ich trage keine zweite Schicht auf die Brücke auf, damit sich dieser Teil von dem dunkleren Bereich dahinter abhebt.

Schritt 5: Dächer, Fenster und die dunkelsten Gebäudeschatten

Nun ist es an der Zeit, das Gebäude fertigzustellen.

Für die Dächer verwende ich eine Mischung aus Englisch-Venezianisch-Rot und Lichter Ocker. Für die Holzverkleidung am oberen Ende des Turms kann ich Sepiabraun direkt aus der Tube oder der Palette verwenden.

Für die Fenster und den Tunnel verwende ich eine dickflüssigere Mischung aus Ultramarinblau und Englisch-Venezianisch-Rot, um einen schönen Grauton zu erzielen.

Schritt 6: Erste Aquarellschicht für Bäume und Vegetation

Auch bei Bäumen und Vegetation arbeite ich in mehreren Schichten: Das heißt, ich trage eine erste Schicht auf, lasse sie trocknen und füge dann eine zweite, dickere Schicht hinzu, die den Schatten entspricht.

Meine bevorzugte Grundfarbe für Bäume und Pflanzen ist Saftgrün. Für diese Skizze verwende ich Saftgrün und füge etwas Indischgelb, Ultramarinblau und/oder Englisch-Venezianischrot hinzu, um die Sättigung und die Farbtemperatur anzupassen.

Wichtig: Auch wenn die Farbe vieler Pflanzen und Bäume vor Ort gleich aussieht, übertreibe ich die Unterschiede in den Grüntönen, um mehr Abwechslung zu schaffen.

Schritt 7: Zweite Aquarellschicht und Schatten von Bäumen und Grünpflanzen

Nun trage ich eine zweite Schicht mit dickerer Konsistenz für die Schatten in den Bäumen auf. In manchen Fällen, wie beim großen Baum links, benötige ich für die dunkelsten Bereiche sogar eine dritte Schicht. Umgekehrt gestalte ich die Schatten beim großen Baum hinter dem Gebäude rechts heller, damit alles im Hintergrund bleibt.

Wichtig: Achte darauf, dass die Konturen deiner zweiten Schicht bei Pflanzen und Grünflächen nicht zu geometrisch sind. Stell dir die Ränder stattdessen wie kleine Finger vor, die ungleichmäßig aus den Schattenbereichen herausragen, um ein natürlicheres Aussehen und Muster zu erzielen.

Schritt 8: Erste Wasserschicht und hellste Spiegelungen

Wenn du Anfänger bist und dich beim Malen von Wasser noch unsicher fühlst, solltest du vielleicht an dieser Stelle aufhören. Andernfalls können wir nun die Spiegelungen im Wasser hinzufügen.

Bei den Reflexionen finde ich es am einfachsten, mit dem hellsten Element zu beginnen, daher deute ich die Brücke mit etwas Lichter Okcer und Sepiabraun an. Außerdem füge ich ganz unten rechts im Wasser mit Ultramarinblau und Heliotürkis ein kleines bisschen Himmelreflexion hinzu.

Schritt 9: Spiegelungen für Bäume und Pflanzen

Nun kann ich mit den Spiegelungen für die Bäume beginnen. Hier ist es wichtig, viel mehr Farbe anzurühren, als ich vermutlich brauchen werde, da ich die Spiegelungen in einem Zug malen muss, ohne eine Pause einzulegen oder den Pinsel vom Papier zu nehmen.

Sobald ich mein Grundgrün vorbereitet habe (in diesem Fall verwende ich wieder einmal Saftgrün und etwas Indischgelb und Ultramarinblau), trage ich es zügig in einer Hin- und Herbewegung auf das Papier auf, wobei ich dazwischen einige weiße, unbemalte Bereiche lasse. Die Reflexionen füge ich so lange hinzu, bis ich den vorgesehenen Bereich ausgefüllt habe; deshalb ist es hilfreich, die Bleistiftkonturen zu haben, die ich ganz am Anfang der Skizze gezeichnet habe.

Ein kleiner Tipp: Wenn du Schwierigkeiten hast, die richtige Pinselbewegung hinzubekommen, stell dir den Pinsel einfach als Pendel vor, das von einer Seite zur anderen schwingt.

Schritt 10: Zweite Schicht der Baumspiegelungen und Feinarbeit

Jetzt bin ich fast am Ziel.

Ich füge ein paar Schatten mit einem kräftigeren Dunkelgrün über den Baumspiegelungen hinzu (ich kann mein Grundgrün dunkler machen, indem ich etwas Ultramarinblau und Englisch-Venezianisches Rot hinzufüge). Außerdem

füge ich mit Sepiabraun einige Schatten in die Reflexion der Brücke ein. Anschließend lösche ich die Bleistiftkonturen ganz unten auf der Seite, male die Boote unter der Brücke aus und schreibe den Namen des Ortes in die rechte untere Ecke, um das Bild abzurunden.

Und voilà: Eine Stadtskizze eines Berliner Parks im Sommer, die sowohl Architektur als auch Natur zeigt.

Der Künstler

Danny Hawk ist Künstler und Urban Sketcher, der in Berlin lebt und arbeitet. Er wurde in Atlanta, USA geboren und kam 2012 nach seinem Studium der Germanistik und der Internationalen Beziehungen nach Deutschland. 

Obwohl Danny Hawk auf der High School im US-Bundesstaat Ohio viel gezeichnet und gemalt hat, entdeckte er erst 2017 seine wahre Leidenschaft für die Kunst, als er sich den Urban Sketchern - damals in Frankfurt am Main - angeschlossen hat. 

Danny Hawk liebt das Zusammenspiel zwischen Tinte und Aquarell und zeichnet gerne Architektur, Stadtszenen und Landschaften - am liebsten auf Reisen oder bei einem Städtetrip. 

Mehr über den Künstler Danny Hawk finden Sie hier: 

www.dannyjhawk.com 

Instagram: @dannyjhawk